Boat School

Travelling is the best education ever
&
Boat School ist mehr als nur Schule

previous arrow
next arrow
Slider

Dr. Herbert Renz-Polster, Kinderarzt, Wissenschaftler am Mannheimer Institut für Public Health der Universität Heidelberg und Buchautor hat es aus unserer Sicht auf den Punkt gebracht:

“Eine Generation, die zunehmend in den besten Lebensjahren mit Burnout zu kämpfen hat, entwirft für ihre eigenen Kinder einen Lebensweg mit noch mehr Tempo, noch mehr Leistung, noch mehr >Förderung<. Sie funktioniert Kindergärten zu Schulen um, weil sie glaubt, Kinder, die früh Mathe lernen, seien schneller am Ziel.

Moment einmal – an welchem Ziel?”

Wir haben als Eltern einen ziemlich geradlinigen Weg in das Berufsleben eingeschlagen: Schule, Studium, Job, ohne Umwege, ohne Diskussion, ohne sich die Freiheit herauszunehmen, doch noch einmal etwas ganz anderes zu wagen.

Wir sind seit 1991, also seit unseren Schulzeiten, ein Paar, haben in derselben Stadt dasselbe Studium absolviert, sind wegen unserer Familien in die Heimat zurückgekehrt und arbeiten gemeinsam im selbständigen Unternehmen. Neben all dieser Geradlinigkeit und Beständigkeit sind wir jedoch sehr umtriebig, freiheitsliebend und haben uns unseren Idealismus weitgehend bewahren können. Wir lieben neue Projekte und sind immer wieder auf der Suche nach neuen Herausforderungen. Und wir stellen immer wieder unseren Lebensplan, und den unserer Kinder, in Frage. Vor allem stellen wir uns als Eltern die Frage, was wir unseren Kindern mit auf den eigenen Lebensweg geben möchten.

Die Welt ist groß und vielseitig – zu schön, um sich ewig nur in dem eigenen Mikrokosmos im Kreise zu drehen und bis zum Lebensende immer das Gleiche zu machen und zu sehen. Die uns zur Verfügung stehende Lebenszeit will sinnvoll genutzt werden. Ob man dieses als Jurist, Lehrer, Meeresbiologe, Tischler, Elektriker, Sportler oder als Künstler macht, um nur einige zu nennen, ist nicht von Belang. Wir möchten, dass unseren Kindern die Vielfalt der Entfaltungsmöglichkeiten offenbar wird und sie sich bewusst für i h r e n Lebensweg entscheiden und die Möglichkeit erhalten, auch im Ausland zu leben.

Diese Sinnfragen zu stellen, lohnt sich freilich nur dann, wenn man letztlich auch den Mut aufzubringen gewillt ist, die Konsequenzen aus den gezogenen Schlüssen zu ziehen. Wir als Eltern waren und sind zumindest wild entschlossen, diesen Mut aufzubringen.

Neben dem Job ist es im durchorganisierten Alltag recht schwer, Gewohnheiten und Verhaltensweisen zu ändern. Damit fiel, bei uns im Jahr 2013, unweigerlich die Entscheidung, sich einmal bewusst Zeit für sich – und die Familie – zu nehmen: wir schenken uns ein Jahr Familienzeit im Rahmen eines Sabbaticals, das wir segelnd verbringen werden und verlegen unseren Lebensmittelpunkt damit ins Ausland.

Natürlich legen wir als Eltern Wert darauf, dass unsere Kinder weiterhin dazulernen und nach unserem Sabbatical auch wieder die Schule besuchen, um die Möglichkeit zu erhalten, gegebenenfalls ihr Abitur zu machen. Wir halten es aber für durchaus vertretbar und darüber hinaus für sinnvoll, dass unsere Kinder zwischendurch mal eine Pause von einem Jahr einlegen und nicht wie gewohnt “die Schulbank drücken”.

Unsere Kinder sind, genau wie andere, sehr wissbegierig und lernen ständig dazu. Das zeigt sich in Ihrem Interesse an den physikalischen Zusammenhängen beim Segeln wie auch beim Tauchen und den diversen Nachfragen und eigenen Recherchen zu Themen wie Meeresbewohner, Gezeiten, (Astro-)Navigation, Fotografie, Motortechnik, Kunst / Zeichnen, Mediengestaltung, etc.. All diese wunderbaren Themen können im Schulunterricht nur angerissen werden. In der vermeintlichen Freizeit fehlt eben genau die Komponente des Freiseins, um sich vertiefter mit den eigenen Interessen und Neigungen zu beschäftigen. Wir sind davon überzeugt, dass unsere Kinder während unserer Reise so vielfältig dazulernen wie es ein Jahr Schulunterricht gar nicht vermitteln kann. Angefangen bei der Notwendigkeit, in unterschiedlichen Sprachen kommunizieren zu müssen über sämtliche naturwissenschaftliche Erkenntnisse, Beobachtungen und Erfahrungen bis hin zum allgemeinen Verständnis über die Zusammenhänge von Mensch, Natur und Umwelt. Daneben prägt das Seglerleben natürlich auch sehr stark den Teamgeist und stärkt das Verantwortungsbewusstsein. Wir freuen uns sehr darauf, die unterschiedlichsten Menschen und deren Lebensweisen und Lebenseinstellungen kennen zu lernen.

Damit unsere Kinder den Anschluss an die Schule nicht verlieren, werden wir die üblichen und vorgesehen Schulmaterialien mitnehmen und sie unterrichten. Wir stehen in regem Austausch mit Familien, die es genau so erfolgreich praktizieren bzw. praktiziert haben und sind guter Dinge, dass es auch bei uns funktionieren wird. Sollte sich am Ende wider Erwarten herausstellen, dass der Leistungsstand der Kinder nach unserer Reise nicht dem der Mitschüler entspricht, betrachten wir das vermeintlich verlorene Schuljahr aufgrund der vielfältig gewonnen Erfahrungen und Erkenntnisse nicht als Nachteil für den Lebensweg unserer Kinder. Da beide bei der Einschulung gerade einmal sechs Jahre alt waren, gehören sie momentan ohnehin zu den Jüngsten ihrer Klasse und müssten dann notfalls das Schuljahr wiederholen.

Wir vertreten ohnehin die Ansicht, dass eine “Ehrenrunde” in der Schule, mit oder ohne Sabbatical, kein Drama ist. Die erbrachten Schulleistungen und die erhaltene Beurteilung dafür sind nur ein kleiner Aspekt eines Individuums und sind nicht geeignet, jemanden zu definieren, zumindest nicht, darauf reduziert zu werden.

Mit der Abmeldung aus Deutschland und dem neuen Wohnsitz im Ausland, wo es zwar eine Unterrichtspflicht, jedoch keine strenge Schulpflicht (also Anwesenheitspflicht in der Schule) gibt, kommen wir auch allen Anforderungen nach.

Das Vorstehende gibt unsere jetzige Einschätzung vor dem Sabbatical wieder. Wir werden zu gegebener Zeit unsere Erfahrungen und Ansichten zu diesem Thema ergänzen.

Zusammenfassend stellt der geneigte Leser nun zurecht fest, dass Boat School letztlich nicht nur das Erlernen schulischen Wissens sondern vielmehr die Erweiterung des Horizonts -in jeder Hinsicht – für jeden von uns vier bedeutet.